Geführter Rundgang um den Störmthaler See mit der Großpösnaer Bürgermeisterin


Liebe Gäste,

begleiten Sie mich auf einer Wanderung rund um den Störmthaler See. Ich möchte Ihnen zeigen, welche Entwicklung sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Doch es soll nicht nur ein Rückblick sein, sondern ich erzähle Ihnen auch von Plänen und Vorhaben, die zum Teil schon kurz vor der Realisierung stehen.

Wir beginnen am besten dort, wo sich uns ein erster guter Überblick über das Gelände bietet - am Aussichtspunkt Störmthal. Er liegt am Ende des Rödgener Weges, wo sich auch eine traditionsreiche, über 100 Jahre alte Dorf- und Ausflugsgaststätte befindet - der Gasthof Störmthal, der seit einigen Jahren auch den Beinamen „am See“ trägt.

Hoch über dem See gelegen, es sind rund 33 m Höhenunterschied, öffnet sich der Blick über eine grandiose Wasserlandschaft. Lassen Sie diesen Eindruck auf sich wirken, bevor wir uns anschauen, was es rings um uns herum zu entdecken gibt.

Als deutlichstes Gestaltungselement erkennen sie rechts und links in südöstlich–nordwestlicher Ausrichtung die Steilböschung. Diese Landschaftsform markiert die östliche Abbaugrenze des ehemaligen Großtagebaus Espenhain. Die Böschung erstreckt sich nördlich bis nach Markkleeberg-Ost und findet dort unterhalb des Wohngebiets Goldene Höhe in der Seepromenade ihren Abschluß.

Zum näheren Verständnis sei hier erwähnt, daß sich auf dem Abbaufeld des Tagebaus Espenhain zwei Seen entwickeln. Im Süden unser Störmthaler See, und im Norden, getrennt durch den Damm der Bundesautobahn A 38, der Markkleeberger See.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen deshalb einen kurzen Überblick über die Geschichte des Tagebaus geben. So erklärt sich Ihnen seine spezielle Form und Gestalt.

Er wurde im Zuge nationalsozialistischer Autarkiebestrebungen im Jahre 1937 im Zusammenhang mit der Erbauung des Braunkohlenveredelungswerkes Espenhain aufgeschlossen. Der Aufschluß erfolgte von Espenhain aus westlich der alten Reichstraße 95 (später F 95). Er schwenkte weit nach Westen und entwickelte sich dann entlang der heutigen B 95 in nördlicher Richtung bis Markkleeberg-Ost, wo sich heute die bereits erwähnte Promenade befindet. 1980/81 wurde der Tagebau auf einen engeren Radius umgestellt, so daß die neue Abbauzone hart westlich der Dörfer Auenhain, Güldengossa und Störmthal verlief. Noch 1988/89 wurde der kleine Ort Rödgen, der von unserem Standort nur einige dutzend Meter weiter südwestlich lag, vom Tagebau erfasst.

Im Verlaufe seiner Geschichte nahm er insgesamt knapp 4.000 Hektar Fläche in Anspruch. 20 Ortschaften wurden zwischen 1951 und 1988 überbaggert und rund 8.400 Einwohner haben dabei ihre Heimat verloren.

Aus dem Bornaer Hauptflöz und dem Böhlener Oberflöz wurden bis zu seiner Stilllegung im Jahre 1996 (allerletzter Kohlezug verließ am 27. Juni den Tagebau) rund 570 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gewonnen. Dabei mussten rund 1.7 Milliarden m³ Abraum bewegt werden, was einem günstigen Kohle-Abraumverhältnis von ca. 3:1 entspricht. Mit der hier geförderten Braunkohle würde man das Neubaukraftwerk Lippendorf, sie sehen es von unserem Standort sehr gut, ca. 60 Jahre betreiben können.

Die Einstellung des bergbaulichen Betriebs geht auf regionale Planungen und politische Beschlüsse von 1993 zurück. In diesem Jahr wurde für die gesamte Region festgelegt, wann welche Tagebaue beendet werden und welche Ziele die Sanierung der Bergbaufolgelandschaft verfolgt.

Schauen Sie nun nach links und sie sehen wie der Rand der Grube nahezu rechtwinklig nach Westen klappt und sich einige Kilometer in sachtem Bogen erstreckt. Das ist die sogenannte Abraumförderbrückenendböschung, die das Ende des Vortriebes markiert.

Das bedeutete für Dreiskau-Muckern, einem Ort ca. 5 km südöstlich von uns, der direkt in der weiteren Abbauzone lag, ein zweites Leben. Damals bereits nahezu komplett entsiedelt und abbruchreif, ist es heute, 19 Jahre später, wieder ein schmuckes Dorf. Unter dem Motto „Ein Dorf sucht seine Bevölkerung“ zog es große Aufmerksamkeit als EXPO-Dorf 2000 auf sich. Heute wohnen hier wieder über 400 Menschen. Mit der Lage direkt am Zugang zur Magdeborner Halbinsel mit der dort sich bereits kräftig entwickelnden touristischen Infrastruktur sieht das Dorf einer interessanten und erfolgreichen Entwicklung entgegen.

Richten wir den Blick nun weiter westlich über den See, sehen wir auf einer Landspitze, die mitten in den See hinein ragt, ein helles Gebäude - den Dispatcherturm. Er diente zu Tagebauzeiten den Bergmännern als Steuerungs- und Koordinierungszentrale mit bestem Ausblick über das gesamte bergbauliche Geschehen. Zugleich markiert er den sogenannten Drehpunkt, um den herum sich der Tagebau entfaltete.

Heute hat dort an der Spitze der bereits erwähnten Magdedorner Halbinsel die Fa. Krystallpalast Variété ihre Zelte aufgeschlagen. Der Turm dient zum einen als Basis für spannende Informationstouren mit einem sogenannten Amphibienfahrzeug, dem einzigen in Deutschland, das im Wasser wie auf dem Lande gut zu recht kommt (www.amphibientour.de) Zum anderen erreicht man von hier aus bequem mit einem Gästeboot das schwimmende Landart-Kunstprojekt Vineta,

Sie sehen dieses europaweit einzigartige, 15 m hohe schwimmende Gebäude sehr gut von unserem Standort aus, wie es mitten auf dem See vor Anker liegt.

Die VINETA wurde nach gut elf Jahren Vorbereitung gebaut und schwimmt seit dem 23. November 2010 mitten auf dem See. Am 3. Juni 2011 wurde sie offiziell eingeweiht. Ein 300 m² großer Stahlbetonponton trägt den weithin sichtbaren Aufbau.

Es handelt sich um ein Gebäude in Gestalt eines Kirchturms, der scheinbar mitten aus dem See ragt. Künstlerisch überformt, gleichsam über dem Wasser schwebend, erinnert der Turm an den Ort Magdeborn, der Ende der 70er Jahre im Tagebau verschwand, wie auch weitere 19 Orte. Rund 8.400 Einwohner mussten sich daher zwischen 1951 und 1989 eine andere Heimat suchen. Die Idee hierzu entwickelte die im Muldental ansässige Künstlerin Ute Hartwig-Schulz im Rahmen einer Ende der neunziger Jahre aktiven Künstlergruppe „Kunst statt Kohle“.

In der Kirchturmbasis befindet sich ein kunstvoll gestalteter Raum, der unter anderem auch als Außenstelle des Standesamtes Großpösna genutzt wird. Heiraten auf dem Wasser!! Doch auch Kultur und Events haben hier eine neue Heimat gefunden. Der Raum wurde als Niedrigstenergie-Raum ausgeführt, so dass eine sehr innovative, Ressourcen sparende Bautechnik in die Zukunft weist. Betreiber der VINETA ist das schon erwähnte Krystallpalast Variété (www.vineta-stoermthal.de). Die Basisstation für Fahrten zur VINETA befindet sich im Dispatcherturm, wo sich auch ein Ausflugscafé befindet. Unterhalb von ihm befindet sich der Anlegesteg für die Fährboote.

Hinter der VINETA erstreckt sich ein in unserer dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft sehr seltenes wie wertvolles rund 70 ha großes Gelände, die Sukzessionsfläche der Göhrener Insel. Sie ist die Hinterlassenschaft der hier im Tagebau Espenhain tätigen Abraumförderbrücke. Ihre Aufgabe war es, die Kohle frei zu legen, den Kohlebaggern Arbeitsraum zu geben und die kontinuierlich gewonnenen Erdmassen hinter sich abzulagern und so das Tagebauloch wieder zu füllen. Der Bergmann spricht hier von Innenverkippung.

Die Insel unterliegt seit einigen Jahren strengem Naturschutz (natura 2000) und ist trotz ihres teilweise saharaähnlichen Zustandes ein Refugium für viele Tiere und Pflanzen, die diesen speziellen Standort brauchen, wie z. B. einheimische Orchideen und hoch spezialisierte Insekten. Doch auch Zugvögel schätzen ein solches Terrain.

Am Horizont erhebt sich ein langsam „wachsender“ Berg, die Zentraldeponie Cröbern, die seit 1995 im Auftrage des Abfallzweckverbandes Westsachsen (www.zaw-sachsen.de) in Betrieb ist. Die Betriebsführung liegt in den Händen der Westsächsische Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft mbH (www.e-wev.de). Die Auffüllung erfolgt von Norden nach Süden. Deutlich erkennen sie die Erweiterungsflächen. Letztlich werden zum Ende der Laufzeit, voraussichtlich 2025, bei einer Ablagerungshöhe von bis zu 48 m Höhe 10 Millionen m³ Müll hier ihren sicheren Platz finden. Erheblich aufgewertet wird die Deponie durch eine technische Innovation von europäischem Rang – die Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) mit bis zu 300.000 t Kapazität p. a.. Ziel der mechanischen Aufbereitung ist die weitestgehende Abtrennung einer biologisch behandelbaren Fraktion (organische Feinfraktion) sowie von heizwertreichen Fraktionen zur energetischen Verwertung bzw. thermischen Behandlung. Das bedeutet die konsequente Ausrichtung auf ökologische Müllentsorgung und die Energiegewinnung aus Reststoffen.

Rechts vom Deponieberg erheben sich zwei Stahlkonstruktionen in den Himmel – die Tagebaugroßgeräte des Bergbau-Technik-Parks. Hierüber erfahren Sie ein wenig später mehr. Ebenfalls in dieser Blickrichtung bemerken Sie zwei rote Bögen. Es ist die Tragekonstruktion einer Autobahnbrücke, die hier den Kanal der Gewässerverbindung zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See überspannt. Weitere Erläuterungen erhalten Sie, wenn wir auf unserem Rundweg dort hin gelangen.

Beenden wir aber erst unseren Rundblick. Wenn Sie sich jetzt ganz nach rechts wenden, bemerken Sie, wie sich die große Fläche des Sees nach Norden hin zwischen Göhrener Insel und Steilböschung fast zu einem Kanal verengt. Es ist der letzte Rest eines sogenannten Brückenrandschlauches, den eine Förderbrücke technologisch bedingt seitlich hinterlässt. Diese Formation ist in der Bergbaufolgelandschaft nur noch selten so deutlich zu erkennen. Heute stellt es die Route dar, wenn Sie mit Ihrem Segel-, Elektro- oder Ruderboot vom Markkleeberger See kommend, unseren See erreichen.

Zum Abschluß richten Sie ihre Aufmerksamkeit bitte nochmals auf die Steilböschung und lassen Sie die außergewöhnliche Landschaftsszenerie, farbenprächtig und vielgestaltig, auf sich wirken.

Diese Art der Böschungsgestaltung ist bisher einzigartig in der Sanierungslandschaft des Leipziger Neuseenlandes. Nahezu senkrechte Böschungspfeiler wechseln sich ab mit flacheren Abschnitten, entlang tiefer Einschnitte und Mulden schlängeln sich in verschiedenen Höhenlagen naturnahe Wege, eine vielfältige Vegetation überformt das Gelände und lädt zum Verweilen ein.

Darin eingelagert sind drei Projekte, die jeweils auf ihre Art die Landschaft nutzen und gestalten.

Ganz in der Ferne, auf der Höhe der Göhrener Insel entdecken Sie als erstes einen in der Böschung liegenden länglichen Grünzug - das Orchideenwäldchen. Hier fühlen sich, gut geschützt, auf speziellem Grund ungefähr 20 heimische Orchideenarten wohl. Das sind ca. 1/3 aller Arten, die in Deutschland vorkommen. So z. B. das Steifblättrige Knabenkraut, der Sumpfsitter, der Große Händelwurz oder auch das Große Zweiblatt. Ein Kleinod der Flora von besonderer Güte und deutschlandweit unter Experten als Forschungsfeld gefragt.

Senken Sie nun ihren Blick ein wenig nach unten, entdecken Sie inmitten der Böschung eine Ihnen sicherlich nicht ganz unbekannte, regelhaft angelegte Struktur. Ja, Sie haben richtig gesehen! Ein Weinberg.

Der 2009 gegründete Störmthaler Wein e. V. hatte im Verbund mit dem Winzer Prinz zur Lippe (www.schloss-proschwitz.de) und der Gemeinde Großpösna vor drei Jahren rund 1.350 Weinstöcke gepflanzt. Die Betonung liegt auf „hatte“, denn das Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft hat den Verein und die Gemeinde Großpösna gezwungen, die allermeisten Weinstöcke zu roden, weil es die Auffassung vertritt, daß der Verein aus Sicht der deutschen und europäischen Weinanbaubestimmungen rechtswidrig gewerblichen Weinanbau betreibt und der Weinberg nicht die Bedingungen der genehmigungsfreien Hobbywinzerei (maximal 30 Stöcke auf 99 m²) erfüllt. Damit künftig Rechtssicherheit besteht, hat der der Verein eine Feststellungsklage gegen den Sächsischen Staat erhoben um abschließend zu klären, wie und auf welche Weise freizeitorientierter Weinanbau betrieben werden darf (www.störmthalerwein.de). Mittlerweile ist der gesamte Bereich vorschriftsmässig parzelliert und hat jeweils einen eigenen Pächter. Trotz des herben Rückschlages herrscht große Zuversicht, im Herbst wieder eine Lese durchzuführen und später die hart erarbeiteten Tropfen genießen zu können.

Zu guter Letzt richten Sie Ihren Blick nach links unten auf die weit in den See hineinragende Landzunge. Sie trägt zukünftig den Silberwald. Erste Anzeichen dafür sind die drei am 7.11.2007, von Schülern der Grundschule Großpösna gepflanzten Blauen Mammutbäume, die Sie vorne auf der Spitze schon erkennen können. Davor ein romantisches Rosenrondell. Die Bezeichnung Silberwald kommt daher, dass hier vor allem Bäume und Sträucher angepflanzt werden, deren Blattunterseite hell erscheint, wie z. B. bei der Silberweide oder –pappel. Dazwischen eingelagert sollen Lavendelfelder gedeihen und kleine Wasserareale zum Naturkneippen einladen. Die Besonderheit bei den Pflanzarbeiten ist, daß sie als Ausgleichspflanzungen für die A 38 durch das Sächsische Autobahnamt erfolgen.

Zur Hebung des Wassers wird an der Installation eines wassergetriebenen Hydraulischen Widders gearbeitet. Der unmittelbar nördlich des Sporns in den See hinein verlaufende Einschnitt wird die Vorflut des Schlumperbaches bilden. Noch aber verläuft der Bach in einem Entwässerungsrohr.
Die Spitze des Sporns ist mit einer großen Menge Wasserbausteinen vor Erosion gesichert, da der vorherrschende West-, Nordwestwind bei Sturm erhebliche Wellenbewegungen auf dem See in Gang setzt.

Damit beenden wir an diesem Ort unseren Überblick über das Geschehen am See. Ich selbst bin immer wieder überrascht über die Vielfalt der Themen und Projekte, die sich allein von diesem Ort aus erkennen lassen.

Wir wenden uns nun nach links und folgen dem Randriegelweg, also dem Rundweg um den See. Unser nächster Halt wird der Butterfly sein, eine weiteres Projekt der Gruppe „Kunst-statt-Kohle“.

Der Weg dorthin führt entlang der Steilküste in südöstlicher Richtung bis wir auf die schon erwähnte Abraumförderbrückenendböschung stoßen. Sie erstreckt sich rund 2 km in einem flachen Bogen in ost-westlicher Richtung und markiert das Ende des Tagebaus im Jahre 1996, als die letzte Kohle im Juni per Bahn heraustransportiert wurde.

Hier wurde am 7.5.1997 unter den Tränen hunderter Bergmänner auch die bereits 1994 still gesetzte Abraumförderbrücke gesprengt.

Nach ca. 1 km entlang der Endböschung stoßen wir linker Hand auf das Kunst-statt-Kohle-Projekt Butterfly von Jürgen Strege. Es handelt sich hierbei um einen Garten in Form eines Schmetterlings mit Fühlern, Körper und Flügeln. Ursprünglich war die Idee, in den Jahreszeiten unterschiedlich blühende Pflanzen anzusiedeln, die das langsame Schimmern der Flügel symbolisieren sollten. Davon musste aber wegen der sehr schwierigen Wasser- und Bodenverhältnisse Abstand genommen werden und so wächst heute eine robustere Pflanzengesellschaft.

Weiter führt der Weg in Richtung Grunaer Bucht und zur Magdeborner Halbinsel.

Auf der gesamten Strecke begleiten uns linkerhand großflächige Baumanpflanzungen, das sogenannte Neue Oberholz (rund 50 ha). Sie sind ein Beitrag der Stiftung Wald für Sachsen zur Aufwertung der Bergbaufolgelandschaft und leisten einen Beitrag zur Mehrung des Waldes im äußerst waldarmen Westsachsen.

Vor uns taucht nun die Bucht auf, die den Namen des verschwundenen Ortes Gruna trägt. Vom Weg aus, der oberhalb der Bucht nach Dreiskau-Muckern abbiegt, haben Sie einen guten Überblick über diesen Bereich. Tief hinein in das Land ragt hakenförmig eine Wasserfläche, an deren gegenüberliegendem Ufer schon bald Ferienhäuser entstehen. Unmittelbar nördlich befindet sich ein achteckiger, steinerner Aussichtspunkt. Dahinter erkennen Sie die jetzt noch kahle Sandfläche, auf der sich zukünftig der Parkplatz und die Gebäude der Marina (Hotel, Gastronomie, Werft) befinden. Im Hintergrund liegt das Hafenbecken mit seiner bereits seit 2 Jahren noch im Trockenen fertig gestellten Hafenmauer mit Slipanlage und Dalben. Der Hafen wird rund 120 Booten einen Liegeplatz bieten. Gerne können Sie sich bei Bedarf an die Gemeindeverwaltung Großpösna wenden. Südlich des Hafens können mit perfektem Blick auf das gesamte Geschehen weitere Ferienhäuser direkt an der Wasserkante errichtet werden. Oberhalb bietet ein Wohnmobilhafen Komfortstellplätze für 80 Einheiten. Der Investor, die Ferienresort Störmthaler See GmbH und Co. KG ist startbereit und wird in den Jahren 2013 - 2015 einen Großteil der Vorhaben umsetzen.

Der entsprechende Bebauungsplan Grunaer Bucht ist vor kurzem rechtsgültig geworden. Er wurde 2007 begonnen, wurde 2009 nochmals einer grundsätzlichen Änderung unterzogen und am 21.03.2011 durch den Gemeinderat der Gemeinde Großpösna zur Satzung beschlossen.

Er stellt zugleich die Voraussetzung für eine Bewilligung von Fördermitteln für neue wasser- und abwassertechnische sowie verkehrstechnische Erschließung der Halbinsel dar. Der Baubeginn war am 26.10.2011. Die Erschließungsmaßnahme mit einem Fördervolumen seitens der Sächsischen Staatsregierung von rund 8 Millionen € soll Mitte 2014 abgeschlossen sein.

Ein weiteres Projekt in diesem Bereich ist gedanklich weit fortgeschritten - ein Campingplatz mit einer Anlage für Kinderferienprojekte und angeschlossenem Familienstrand.

Unser nächster Halt befindet sich am Dispatcherturm, ganz vorne auf der Spitze der Magdeborner Halbinsel. Er ist gut erreichbar über die Alte F 95, die von der Straße S 242 von Störmthal nach Espenhain in Höhe von Dreiskau-Muckern nach Norden hin abzweigt.

Der Turm ist das einzige noch erhaltene Gebäude aus der Zeit des Bergbaus und diente, wie schon erwähnt, als Leitzentrale für den Tagebau und beherbergt seit zwei Jahren die Krystallpalast Varieté GmbH aus Leipzig, die den Turm und das umgebende Gelände zum einen als Ausgangspunkt für Infotouren in die Bergbaufolgelandschaft nutzt. Zum anderen als Basisstation für Seefahrten zur VINETA.

Von hier aus startet jedes Jahr auch der Leipziger Südraum-Marathon. 2012 das 13. Mal. Die Besonderheit besteht in der Maßgabe, daß Dreier-Teams starten, die aus zwei Fahrradfahrern und einem Läufer bestehen und die ihre Positionen innerhalb des Teams so häufig wechseln können, wie sie wollen. Die anspruchsvolle Strecke führt rund um den Störmthaler See und auf die Halde Trages hinauf. Der Lauf vermittelt nicht nur ein sportliches Teamerlebnis, sondern vermittelt auch unvergessliche landschaftliche Eindrücke.

Schauen Sie, den Dispatcherturm im Rücken, nach Süden, so erblicken Sie eine weite, nahezu baumfreie Fläche, auf der sich früher die Tagesanlagen des Bergbaus befanden. Sie wurde vor drei Jahren für das Highfield-Festival geschaffen, das 2010 nach seinem Wegzug aus Thüringen (Stausee Hohenfelden) hier das erste Mal stattfand. Termin ist jedes Jahr das dritte August-Wochenende. (www.highfield.de). 2011 verlebten 23.000 musikbegeisterte Jugendliche und auch etwas Ältere sonnige und partyreiche Tage auf der Halbinsel mitten im Störmthaler See. Das Gelände ist ausgelegt für bis zu 40.000 Gäste.

Wenn wir auf der Alten F 95 weiter nach Süden vorankommen fällt Ihnen linker Hand ein kleines Wäldchen auf. Hier befinden sich die Reste der alten Grubenwasseraufbereitungsanlage. Das Gelände wurde von der Natur zurückerobert und besitzt einen eigenwilligen idyllischen Ckarakter, wie er sich nur auf Industriebrachen einstellt. Seit Mitte 2012 können Sie hier einen sehr naturnahen Sport betreiben - das jagdliche Bogenschießen. Die Betreiber – das Soziokulturelle Zentrum KuHstall e. V. und die elbland motoren - bieten Schnupperstunden und Workshops an, die zu einem sicheren Umgang mit Bogen und Pfeil führen. Höhepunkt ist sicherlich die Begehung des in den Wald hinein gelegten Parcours mit seinen 15 sogenannten 3D-Tieren (vollplastische Tierimitationen in Originalgröße). Er vermittelt authentische Jagderlebnisse und verweist auf die jahrtausend alte Waidwerkkunst der Menschheit. (www.kuhstall-großpoesna.de)

Auf der westlichen Seite der Straße (Alte F 95) erstreckt sich der sogenannte ehemalige Ausfahrtsschlauch des Tagebaus, auch nach dem Steigungsverhältnis „1:36er Ausfahrt“ genannt. Dort, wo sich der See ausbreitet, fuhren einst, 40 m unter der Wasseroberfläche, bis in die Mitte der neunziger Jahre die schwer beladenen Kohlenzüge hinaus, meist ins Braunkohlenveredelungswerk Espenhain und zum Kraftwerk Thierbach. Gleichzeitig stellt dieser Bereich den Beginn des Tagebauaufschlusses 1937/1939 dar. Es ist auch der Platz, wo die die Abraumförderbrücke Espenhain (AFB 17) in den Jahren 1942 bis 1944 montiert wurde. Der gesamte Böschungsbereich ist von der LMBV mittlerweile saniert. Erste Überlegungen existieren, in die Böschung oberhalb des Weges eine Wohnanlage zu integrieren. Zudem wird sich hier eine Wasserskischule etablieren.

Wir wenden uns weiter nach Süden in Richtung Espenhain. Der Weg entlang des östlichen Ufers wird 2012/2013 asphaltiert. Wo der See endet queren wir den ehemaligen, heute verfüllten Schlauch, und gewinnen die westliche Seite.

Der Weg führt durch ein weitestgehend sich selbst überlassenes Gelände. Zukünftig wird der Bereich unter Naturschutz gestellt. Der Erdboden ist teilweise von riesigen Mengen an Gleisschottern überlagert, die darauf verweisen, daß hier Braunkohlenzüge standen, rangiert und zusammengestellt wurden. Gut kann man noch die die vielen parallel verlaufenden Trassen im Unterholz erkennen.

Der geschotterte, teils geschlämmte Weg zieht sich ca. 3,0 km entlang des Ausfahrtsschlauches. Nach ungefähr der Hälfte des Weges verschwindet die hohe Vegetation und sie erleben einen herrlichen Ausblick auf den sich füllenden See und die gegenüberliegende Magdeborner Halbinsel. Ganz auf der Spitze gelegen, sehen sie den hellfarbenen Dispatcherturm. Unterhalb schmiegt sich die Wasserfläche
um die Halbinsel. Dieser Anblick wird Sie die nächsten Kilometer begleiten.

Sie passieren auf dem Weg auch das Flutungsrohr, das dem Störmthaler See entscheidende Geburtshilfe leistet. Seit September 2003 erreichen so genannte Sümpfungswässer der Tagebaue Vereinigtes Schleenhain und Profen (MIBRAG, Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft, www.mibrag.de) den See (20 - 30 m³/h). Seit 2009 kommt das Wasser nur noch aus Profen. Weiter nördlich, westlich des Ausgangs des Gewässerverbundes befindet sich eine weitere, etwas jüngere Flutungsleitung.

Diese „Wasserhähne“ verweisen auf ein einzigartiges Flutungssystem hin, da die großen Seen des Leipziger Südraums über ein ca. 75 km langes Rohrleitungs- und Wassermanagementsystem mit einander verbunden sind. Die schnelle Flutung hat vor allem seinen Grund darin, dass das Wasser den erforderlichen Gegendruck auf die Böschungen ausübt, was zu einer schnelleren Bergsicherheit bzw. Nutzungsmöglichkeiten durch die Öffentlichkeit führt.

In der Höhe des Rohres gehen wir die Böschung ca. 50 m hinab und schwenken nach links auf einen nagelneuen asphaltierten Uferweg. Hier hat der Wegebau rund um den See einen großen Fortschritt genommen. Letztlich werden rund 50 km ausgebaute Wege am See entstehen.

Immer wieder eröffnen sich auf unserer Tour neue Perspektiven auf den See. Unterhalb der Zentraldeponie Cröbern hat man z. B. vom Rundweg einen tollen Blick auf die Magdeborner Halbinsel und sieht weit hinunter nach Süden in den Bereich der ehemaligen Tagebauausfahrt.

Östlich der Deponie wechseln wir neben dem asphaltierten Weg auf eine breite Schotterpiste, die direkt auf den Bergbau-Technik-Park zuführt. Von weitem grüßen schon die hoch aufgereckten Stahlkonstruktionen zweier Großgeräte.

Sie stehen unmittelbar südlich des Autobahndammes der im August 2006 frei gegebenen BAB 38. Der Absetzer 1115 und der Schaufelradbagger 1547 sind die letzten der im Tagebaubetrieb und in der Sanierung eingesetzten Großgeräte. Sie bilden den Grundstock für den Park, der zeigen möchte, welche Bedeutung der Braunkohlentagebau für die Region hatte. Das Projekt verfolgt die Idee, den grundlegenden technologischen Arbeitsablauf, wie er seit je her in allen Tagebauen zu beobachten ist, authentisch und nachvollziehbar darzustellen: Vorfeldfreimachung – Entwässerung - Gewinnung – Transport – Massenverteilung - Sanierung. Um diesen Eindruck zu verstärken, wurde 2011 um die Geräte auf ca. 5,4 ha eine miniaturisierte Tagebaulandschaft gestaltet. Der Besucher erhält hier einen ebenso minutiösen wie beeindruckenden Einblick in die Arbeitswelt und die Leistungen des Bergbaus. Darüber hinaus ist das Projekt von erheblicher Bedeutung für die touristische Entwicklung des Leipziger Neuseenlandes. Die Finanzierung von ca. 1,41 Millionen € erfolgte über das Förderprogramm Bund-Länder-Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung § 2 und 4 und 10% Eigenmittel des Bergbau-Technik-Park e. V.. Die Kommunen Großpösna, Espenhain, Markkleeberg, Kitzscher und Groitzsch unterstützen den Bergbau-Technik-Park e. V. bei seinen Bestrebungen. Und auch die MIBRAG und die LMBV, als Projektträger, haben dem Vorhaben großartigen Schub verliehen. Darüber hinaus haben sich zahlreiche Unternehmen, Institutionen und Privatleute, darunter viele ehemalige Bergleute, finanziell engagiert. Seit Ostern 2012 ist der Park regulär geöffnet. (www.bergbau-technik-park.de)

Leider ist das Geld für die letzten Arbeiten der Bergbausanierung knapp und so wird eine Anbindung des Parks an den Seerundweg erst im Frühjahr 2013 erfolgen können. Von Auenhain (Kanupark, Seepark Auenhain) am östlichen Ufer des Markkleeberger Sees ist der Park gut mit dem Fahrrad zu erreichen, wenn man den Uferweg in westliche Richtung nimmt, den zukünftigen Gewässerverbund (Klappbrücke) und nach ca. 1.000 m eine kleine Autobahnbrücke überquert. In Höhe des Modellflughafens biegt man dann links ab. Für Besucher mit Autos oder Bussen erfolgt die Zufahrt über die B 95/B2 zur Zentraldeponie Cröbern.

Da ich gerade den Gewässerverbund erwähnt habe, möchte ich Ihnen noch einige Informationen dazu geben. Dahinter steckt die schon Anfang der 1990er Jahre geborene Idee, einige südliche Seen untereinander zu verbinden und diese in das Gewässernetz der Stadt Leipzig zu integrieren. Letztlich wird damit in anderer Form der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt, als Pleisse und Elster von Süden kommend die Stadt durchflossen. Zwar sind Großteile der Auenwälder durch den Bergbau für immer verschwunden, doch gibt die neue Landschaft einiges von dem zurück, was lange vermisst wurde. Klares Wasser, Bäume und Wälder, ein vielfältiges Tierleben, Felder, saubere Orte, idyllische Plätze - alles was Sie sich vorstellen.

Die rund 800 m lange Kanalverbbindung zwischen dem Markkleeberger und dem Störmthaler See steht kurz vor seiner Fertigstellung – es fehlt nur noch das Schleusenbauwerk. Diese Einrichtung ist notwendig, da der Markkleeberger See 4,0 m tiefer liegt, als der Störmthaler mit seinen 117,0 m ü. NN. Im Frühjahr 2013 wird die Schleuse in Betrieb genommen. Startbereit in den Löchern steht bereits ein erfahrener Schiffseigner mit großem Ausflugsboot, der noch den Rest der Saison für seine Gastschifffahrt nutzen möchte. Im Vorfeld wurden bereits drei Kopflander (Ein- und Ausstiegsstellen) am Störmthaler See vorbereitet. Mehr zum Leipziger Gewässerverbund erfahren sie auf der gleichnamigen Website (www.gewaesserverbund.de)

Voraussichtlich 2015/2016 werden Sie mit ihrem Kanu oder einem Leipzig Boot vom Leipziger Stadthafen bis kurz vor die Tore von Espenhain schippern können. Damit das gelingt, bedarf es vor allem noch des Baus einer ca. 1 km langen Verbindung zwischen dem Markkleeberger See und der Pleisse in Höhe des Agraparkes.

Langsam schließ sich der Kreis unserer kleinen Wanderung. Vor uns, in östlicher Richtung, taucht der in der Böschung des Markkleeberger Sees eingebaute Kanupark auf. Zehn Jahre nach der vergeblichen Olympiabewerbung Leipzigs ist er das einzige realisierte Vorhaben. Seit 2007 stürzen sich hier Profis und Freizeitsportler, Erlebnishungrige und Wasserliebende in die Fluten. (www.kanupark-markkleeberg.com). Die Einrichtung ist über die sportliche Bedeutung hinaus ein wichtiger Baustein der touristischen Erschließung des Leipziger Neuseenlandes, das sich vor allem auch mit der Aussage „Aktiv und Fit“ präsentiert.

Rund um den Park haben sich weitere gästeorientierte Unternehmen angesiedelt, wie das Feriendorf Seepark Auenhain (www.seepark-auenhain.de), ein Campingplatz, der Modellbaupark mit seiner Gartenbahn (www.modellbaupark.de) und das Wassersportunternehmen All on Sea (www.all-on-sea). 2013 soll zusätzlich ein Kletterpark eröffnen.

All diese Ansiedlungen nutzen den ehemaligen Bereich der Tagesanlagen „Silberschacht“ des Bergbaus und zeigen modellhaft die gelungene Transformation einer Industriebrache hin zu einer neuen Lebens- und Arbeitsqualität (www.markkleebergersee.de)

Sie werden sich vielleicht wundern, daß ich hier so viel über Markleeberger Vorhaben spreche. Doch das kommt nicht von ungefähr, da Großpösna und Markkleeberg eine intensive interkommunale Zusammenarbeit bei der Seenentwicklung pflegen. Das Gebiet der beiden Seen muß als eines betrachtet werden, um Touristen und Gästen ein ausgewogenes Angebot unterbreiten zu können.

Vom Areal des Silberschachtes aus führt uns eine die Autobahn querende Brücke auf das Ostufer des Störmthaler Sees. Der hoch über dem See gelegene Weg passiert Güldengossa, einem Ort, der sich in den letzten Jahren als Wohnstandort sehr gut entwickelt hat. Die herausragende Investition im Dorf ist die komplette Restaurierung des Anfang des 18. Jahrhunderts errichteten Schlosses mit seinen Parkanlagen. Es dient gleichermaßen als Wohn- und Geschäftsplatz in einem. Die Familie Geiger aus Süddeutschland betreibt hier einen Edelmetallhandel. Der Park ist öffentlich zugänglich und beherbergt ein kleines Café in der Orangerie. Gern genutzt wird das prächtige Schloßgebäude für Eheschließungen und so hat die Gemeinde Großpösna dort ein Standesamt eingerichtet (www.michaelis-leipzig.de/schloss-gueldengossa)

So langsam nähern wir uns unserem Ausgangspunkt, denn der nächste Ort heißt Störmthal, von wo wir uns auf den Weg gemacht haben. Geniessen Sie auf den letzten Metern noch den weiten Blick über den See und die unter ihnen liegende Böschungs- und Uferzone mit ihren naturnahem Pfaden, der üppigen Vegetation, den kleine Teichen und Lagunen…

Danke, dass Sie mit mir diese Wanderung unternommen haben. Ich hoffe, Ihnen einen ersten Überblick zu den Geschehnissen und Entwicklungen am See vermittelt zu haben. Vieles ist im Entstehen, manches geplant und vorgedacht, doch die ersten Konturen der zukünftigen Struktur sind schon gut erkennbar. Die Philosophie für den See ist denkbar einfach: Natur und Wasser, Kultur und Entdeckungen, Sport und Wohlbefinden.

Das Austarieren der unterschiedlichen Belange, das gute Nebeneinander und der Respekt vor dem jeweilig anderen wird eine ständige Herausforderung und Aufgabe sein. Das Leipziger Neuseenland ist ein Newcomer unter den etablierten Freizeit- und Touristenregionen. Eine Tradition gibt es nicht.

Wir alle müssen lernen, damit umzugehen, gute Gastgeber zu sein, Offenheit zu zeigen und uns darüber zu freuen, es in 20 Jahren nahezu geschafft zu haben, aus einer hoch industrialisierten und belasteten Region eine Landschaft gestaltet zu haben, in der es sich lohnt zu leben und zu arbeiten, Zukunft vor sich zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen interessante Erlebnisse und einen angenehmen Aufenthalt an unserem See und im gesamten Leipziger Neuseeland.

Ihre
Dr. Gabriela Lantzsch
Bürgermeisterin


www.grosspoesna.de