Angepasstes Nutzerverhalten – Energieeffizienz/Umweltverträglichkeit 

Angepasstes Nutzerverhalten – Energieeffizienz/Umweltverträglichkeit (PDF-Download) 

1.1           Angepasstes Nutzerverhalten – Energieeffizienz/Umweltverträglichkeit

Die folgenden Hinweise sollen für einen möglichst effizienten und umweltfreundlichen Einsatz von Energie und Ressourcen sensibilisieren und diesen durch eine angepasste Lebensweise ermöglichen.

Tabelle 1 gibt beispielhaft einige Angaben zu den Treibhausgas-Emissionen (THG), die mit verschiedenen menschlichen Aktivitäten einhergehen (Quelle: Le Monde diplomatique 2009 u. a.). Die Handlungsmöglichkeiten sind unterteilt in die Bereiche Wärme, Elektroenergie, Mobilität und Ernährung/Konsum/Lebensstil. Die Daten stammen sowohl aus eigenen Quellen als auch aus Angaben anderer (SAENA 2009, difu 1997, Deutscher Mieterbund e. V. 2009).

 

 


Tabelle ‑1               THG-Emissionen verschiedener Aktivitäten (Quelle: Le Monde diplomatique 2009, taz 12.11.09 und eigene)

Aktivität

THG-Emissionen in kg CO2

Handybenutzung pro Jahr

112

Herstellung von 1 Tonne Zucker

730

Verbrennung von 1 Tonne Rohöl

3.065

Eine Minute Laufzeit eines 1.000-MW-Kohlekraftwerks

9.665

Produktion von 100 kWh Strom aus einem Kohlekraftwerk

80 bis 105

Ein Jahr Beleuchtung eines Wohnhauses

135

Weizenanbau je Hektar

3.020

Jährlicher Methan-Ausstoß einer Milchkuh

3.505

Jährlicher Methan-Ausstoß eines Kalbes

1.740

Jährlicher Methan-Ausstoß eines Schweins

230

Jährlicher Methan-Ausstoß einer Ziege

370

Jährlicher Methan-Ausstoß eines Schafes

320

Flug von Berlin nach New York und zurück je Passagier

4.160

Langstreckenflüge 1.000 km First Class je Passagier

770

Langstreckenflüge 1.000 km Business Class je Passagier

510

Langstreckenflüge 1.000 km Economy Class je Passagier

220

Doppelhamburger

3

Fleischreiche Ernährung je Person und Jahr

6.700

Vegetarische Ernährung je Person und Jahr

1.220

Vegane Ernährung je Person und Jahr

190

Herstellung eines PC samt Monitor

275

Fernsehbenutzung pro Jahr

23

Eine Tonne nicht recyceltes Altpapier

1.470

Herstellung von 1 Tonne Benzin durch Förderung und Raffinieren von Rohöl

570

Eine Tonne Erdöl von der Förderung bis zum Verbrauch

3.760

Fang einer Tonne Hochseetunfisch

3.230

Herstellung von einer Tonne Weizenmehl

490

Herstellung und Entsorgung von 1 Tonne Plastikfolie

6.480

Abholzung von 100 m² Wald (CO2-Speicher wird vernichtet)

3.500

Aufbereitung von 1 m³ Abwasser aus der Zuckerindustrie

565

Aufbereitung von 1 m³ Brauerei-Abwasser

59

Pkw je 100 Kilometer

10 bis 20

Lkw (40 t) je 100 Kilometer

73

Zug (Nahverkehr - Diesel/Strom) je Platz und 100 Kilometer

2


1.1.1           Wärme

-          Verzicht auf unnötige Beheizung.

-          Korrekte Einstellung der Heizungsanlage (Heizkurve, Sommer-/Winterbetrieb) und regelmäßige Wartung durch Fachpersonal.

-          Abschalten bzw. Einschränkung der Beheizung bei länger nicht genutzten Räumen (Wochenend-, Urlaubsabwesenheit), falls dies keine automatische Steuerung übernimmt.

-          Richtige Einstellungen der Raumtemperatur (vgl. dazu Tabelle): Jedes Grad weniger spart rund 6 % der Heizenergie. In der Nacht kann auf 16 °C heruntergedreht werden.

-          Möglichst sparsamer Einsatz von Warmwasser (bspw. durch Duschen statt Baden).

-          Ein kalter Raum wird nicht schneller warm, wenn die Heizventile voll aufgedreht sind, er wird lediglich wärmer als benötigt.

-          Mehrmals am Tag kurz und gründlich lüften (Stoßlüften) statt Dauerlüften mit gekippten Fenstern (während der Heizperiode sollte die relative Luftfeuchte bei 40 bis 60 % liegen).

-          Heizkörper sollten nicht verstellt sein (bspw. durch Möbel, Vorhänge, Verkleidungen etc.).

-          Rollläden, Fensterläden und Vorhänge über Nacht schließen (reduziert die Wärmeverluste um bis zu 20 %).

-          Verwendung von elektrischen Heizlüftern möglichst vermeiden (Heizen mit elektrischem Strom ist besonders umweltunfreundlich).

-          Bei Abendterminen (z. B. in Schulen, Kirchen etc.) sollte die Raumwahl entsprechend den Heizkreisen koordiniert werden. Belegungstermine, wie z. B. Elternsprechtage, sollten abgestimmt und auf einzelne Tage gebündelt werden.

-          Heizkörpernischen sind Wärmebrücken - durch nachträgliches Anbringen von Isolierung (aluminiumkaschierte Styroporplatten) können diese Verluste verringert werden.

-          Anbringen von Thermometern in beheizten Räumen zur Temperaturkontrolle.

 

Tabelle ‑2               Norm-Innentemperaturen nach DIN EN 12831

Raumart

Norm-Innentemperatur in °C

Wohn- und Schlafräume

20

Büroräume, Sitzungszimmer, Ausstellungsräume etc.

20

Hotelzimmer

20

Verkaufsräume, Läden

20

Unterrichtsräume allgemein

20

Theater-, Konzerträume

20

Bade- und Duschräume, Umkleideräume

24

WC-Räume

20

Beheizte Nebenräume (Flure, Treppenhäuser)

15

Unbeheizte Nebenräume (Keller, Treppenhäuser, Abstellräume)

10

Kirche, nicht genutzt

8 bis 12

Kirche während der Nutzung

max. 18


1.1.2           Elektroenergie

-          Verzicht auf unnötige Elektrogeräte/elektr. Dienstleistungen.

-          Wechsel zu Ökostromanbieter.

-          Anschaffung nur hocheffizienter Elektrogeräte der Effizienzklasse A++ (Hinweise finden sich unter www.stromeffizienz.de).

-          Stand-By-Geräte (Kopierer, PCs, Drucker, Diktiergeräte usw.) bei längerem Nichtbedarf abschalten. Kopierer z. B. verbrauchen rund 70 bis 80 % ihres Stroms während des Stand-By-Betriebs (UPIS 27/95). Ggf. mehrere Kopierwünsche sammeln.

-          Abschalten der Beleuchtung bei ausreichendem Tageslicht, bei Nichtbedarf oder längerem Verlassen von Räumen sowie fensterseitiges Teilabschalten.

-          Wärmere bzw. luftige Kleidung ist angebrachter als elektrische Zusatzheizgeräte oder Ventilatoren.

-          Elektrische Warmwasserbereiter (Untertischspeicher) ausschalten und nur bei Bedarf in Betrieb nehmen.

-          Kühltemperaturen an die Erfordernisse anpassen: -18 °C im Gefrierabteil, 7 °C im Kühlabteil.

-          Einsatz von Geräten zur Raumkühlung möglichst vermeiden.

-          Waschmaschinen möglichst nur bei Temperaturen von 30 °C oder 40 °C betreiben, für stark verschmutzte Wäsche ist in der Regel das 60 °C-Programm ausreichend (90 °C-Programm vermeiden). Befüllung der Waschmaschine mit Warmwasser senkt den Primärenergiebedarf.

-          Nutzung von Wäschetrocknern unbedingt vermeiden.

-          Kochen möglichst mit (geschlossenem) Topfdeckel. Schnellkochtopf verwenden.

-          Frühzeitiges Ausschalten von E-Kochplatten (Nutzung der Restwärme).

-          Zur Erwärmung von Wasser möglichst Wasserkocher statt Elektroherd verwenden (Wirkungsgrad Wasserkocher ca. 90 % gegenüber 40 % E-Herd).

-          Beleuchtungsart bewusst auswählen, nur Leuchtmittel der Effizienzklasse A++ verwenden.

-          Laptops und Notebooks benötigen bei gleicher Dienstleistung zehnmal weniger Strom als Tisch-PCs. Für den Einsatz am Schreibtisch lassen sich die Geräte mit einer normalen Tastatur und externem Bildschirm ausstatten.

-          Ab 20 Minuten Nicht-Bedarf sollte ein PC abgeschaltet werden. Bildschirme können immer abgeschaltet werden, wenn sie nicht benötigt werden, denn sie verkraften rund zehn Abschaltvorgänge täglich ohne Schaden (UPIS 22/1994). Bildschirmschoner bringen nur geringe Einspareffekte.

-          Auf nicht benötigte Steckkarten im PC verzichten, da jede Karte zusätzlich Strom verbraucht.

-          Gemeinsam genutzte Drucker sind besser ausgelastet und haben einen geringeren spezifischen Verbrauch.

 


1.1.3           Mobilität

-          Verkehrsvermeidung durch optimierte Mobilitätsplanung.

-          Nutzung von Fahrrad, ÖPNV, Pendlernetz, Carsharing, wo dies möglich und sinnvoll ist.

-          Förderung der Fahrradbenutzung für innerörtliche Dienstgeschäfte und den Arbeitsweg durch diebstahlsichere, überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten oder attraktive Nutzungsbedingungen für Dienstfahrräder, z. B. durch flexible Entleihmöglichkeiten für die Mitarbeiter.

-          Nutzung von Lastfahrrädern im innerörtlichen Bereich/Dienstgeschäft.

-          Möglichkeiten zu finanziellen Anreizen ausschöpfen (z. B. Münster: Zahlung einer Pauschale für Fahrradbenutzung, finanziert aus Parkplatzgebühren).

-          Reduktion der Parkberechtigungsscheine für städtische Mitarbeiter anstreben. Eventuell können als flankierende Maßnahme zur ÖPNV- und Fahrradförderung Parkplatzgebühren erhoben werden (Münster). Dienstparkplätze sind oft angemietet, so dass durch vermehrte Job-Ticket- oder Fahrradnutzung eine Kostenreduzierung erreicht werden kann.

-          Verkehrsinformationen über günstige ÖPNV-Anbindung (insbesondere für Besucher der Verwaltung) in öffentlichen Hinweisen, Anschreiben, Einladungen usw. weitergeben.

-          Einige Verkehrsunternehmen bieten mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnete Umweltfahrkarten an (RAL-ZU 51, 1995).

-          Information der städtischen Mitarbeiter über energiesparende, umweltschonende Fahrweisen (Fahrschulen bieten hierzu Kurse an). Der Einfluss der Fahrweisen „defensiv“, „normal“ und „offensiv“ auf gemeindenahen Autobahnen und leistungsfähigen Gemeindestraßen beträgt (je nach Fahrzeuggröße) beim Kraftstoffverbrauch -20 bis +50 %. Auf Autobahnen ohne Geschwindigkeitsbeschränkung sind Mehrverbräuche von über 90 % möglich (UBA 1996, S. 49).

-          Dienstanweisung zum Tempolimit (100, 50, 30) – kann durch Tempo 100-Aufkleber gegenüber der Öffentlichkeit dokumentiert werden kann.

-          Interne Mobilitätszentrale: Vermittlung von Fahrgemeinschaften und Mitfahrgelegenheiten z. B. durch das Personalamt, das bei Nachfrage auf potentielle Fahrgemeinschaftskonstellationen hinweist (Bsp. Stuttgart). Eine Einbeziehung benachbarter Behörden oder Betriebe ist sinnvoll. Das Berufspendlernetz Sachsen, ein Modellprojekt der Sächsischen Energieagentur SAENA kann ebenfalls eine Alternative bieten (http://sachsen.pendlernetz.de).

-          Fahren im unteren Drehzahlbereich (maximal 2.000 U/min).

-          Benutzung der Klimaanlage vermeiden (zusätzlicher Verbrauch: 0,5 bis 2,5 l/100 km).

-          Unnötige Dachgepäckträger sowie unnötige Lasten vermeiden.

 


1.1.4           Ernährung/Konsum/Lebensstil

-          Verzicht auf unnötigen Konsum.

-          Bevorzugung von Produkten mit folgenden Eigenschaften:

o         Regional (Regionale Wertschöpfung, Vermeidung von unnötigem Verkehr),

o         Fair (Armut erhöht die Gefahr der Zerstörung von Lebensräumen wie z. B. den tropischen Regenwäldern, fair gehandelte Produkte garantieren ethische und soziale Mindeststandards),

o         Bio (biologisch und ökologisch erzeugte Produkte belasten i. A. die Umwelt weniger und entlasten u. a. auch das Klima).

-          Bevorzugung von Secondhand-Produkten (zusätzlicher Vorteil bei Kleidung – evtl. aus der Herstellung stammende Giftstoffe sind bereits während des Vorgebrauchs ausgedünstet).

-          Erhöhung des Anteils vegetarischer (also fleischloser) Ernährungsbestandteile (vgl. dazu Tabelle 1) [1].  

-          Erhöhung des Anteils veganer (also pflanzlicher) Ernährungsbestandteile (vgl. dazu Tabelle 1).

-          Urlaub möglichst in der Region machen (Flugreisen vermeiden).

-          Verzicht auf eigenes Auto, wenn möglich; Alternativen: TeilAuto/Carsharing, ÖPNV, Pendlernetz (http://sachsen.pendlernetz.de).

-          CO2-Kompensation (Ausgleich von bspw. Flugreisen), Bsp. www.atmosfair.de

 

 



[1] Durch den Umstieg von „normaler“ Ernährung (d. h. viel Fleisch und viele Milchprodukte) auf vegetarische Kost mit hohem Bioanteil, kann ein CO2-Äquivalent von ca. 1 t/aEW eingespart werden, was etwa 10 % der Emissionen eines Durchschnittsdeutschen entspricht (Palmer 2009, Kap. 4.3).



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Letzte Aktualisierung: 22.08.10 18:34:49
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